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Schräggastro: Betreutes Trinken in Eiche rustikal

Ehrlich, authentisch und vom Aussterben bedroht: die klassische Eckkneipe. Ein Plädoyer für die Spelunke und drei Tipps für deren Rettung.

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Thomas Lang: Anwalt, externer Datenschutzbeauftragter, Autor, Kabarettist und Experte für schräge Kneipen.
Thomas Lang – Anwalt, externer Datenschutzbeauftragter, Autor und Kabarettist – kennt sich in der Schräggastro-Szene aus.
© Thomas Lang

Ein Herrengedeck serviert auf und in Eiche rustikal, bitte! Heute lasse ich moderne Bistros und schicke Bars links liegen. Auf der Suche nach der besten bodenständigen Kneipe habe ich mich von Thomas Lang beraten lassen. Er arbeitet als Anwalt für Arbeitsrecht und als externer Datenschutzbeauftragter, nebenbei schreibt er Schräggastro-Krimis. Seit vielen Jahren ist Thomas Lang zudem einer der Autoren der Schräggastro-Kolumne im Stadtmagazin Lift. Unter dem Motto „Wir gehen dahin, wo Sie sich nicht hintrauen“ wird dort monatlich eine ehrliche Pinte vorgestellt.

Die Eckkneipe als zweites Wohnzimmer

Über die Jahre hat Thomas Lang feine Antennen für schräge Locations ausgebildet: Name und Aufmachung verraten ihm schon von außen, wo er rein muss. Schräggastro, das ist für ihn all das, was nicht in und nicht hip ist: „Ich suche nach der klassischen, speckigen Eckkneipe, in der alle Gesellschaftsschichten vertreten sind.“ Wo keine Avocado-Smoothies auf der Karte stehen, dafür aber immer ein Ouzo aufs Haus ausgeschenkt wird (den man besser ablehnt). Was ihm dort gefällt? „Ich treffe ehrliche und herzliche Leute wie zum Beispiel ein begeistertes Ehepaar, das mir bei einer Lesung in der Botnanger Waldklause allein schon für die Idee, in einer Eckpinte zu lesen, 50 Euro anbietet.“ Eine Lanze für die Pinte zu brechen, ist ihm wichtig: „Die klassische Spelunke wird aussterben“, prohezeit Lang. Der Nachwuchs bleibe fern und werde seinen Lebensabend vermutlich in den modernen Delis und Bars verbringen, die bald schon wieder oldschool sind und von wieder neuen, hippen Gastrokonzepten abgelöst werden.

Bier spielt eine zentrale Rolle in Thomas Langs Krimis.
Thomas Langs Protagonist ermittelt am liebsten bei einem Bier.

Deshalb: Nichts wie hin! Rettet die Eckkneipe! Sie ist viel mehr als ein Treff von Biertrinkern und Fußballfans: „Für viele Stammgäste ist es das zweite Wohnzimmer, ein Ort, an dem man rauchen darf und Bekannte trifft“, sagt Thomas Lang. Ihm liegen authentische Kneipen ebenso am Herzen wie die Kunst des Bierbrauens. Kein Wunder also, dass diese Lokale die Dreh- und Angelpunkte seiner Krimis sind. Seinen Protagonisten Minkin schickt er auch in dessen dritten Fall auf Spurensuche durch die Spelunken der Landeshauptstadt. Dort bekommt der durstige Ermittler wertvolle Tipps von ebenso durstigen Gestalten.

Wo gibt es authentische Eckkneipen?

Doch wo findet man diese Kneipen? Die höchste Dichte haben sie laut Thomas Lang in Heslach und Feuerbach. Drei Empfehlungen vom Fachmann:

1. Klassische Kneipe: Rosis Pinte am Hölderlinplatz

„Allein schon die Phonetik des Namens ist literarisch wertvoll. Rosis Pinte ist für mich der Inbegriff einer typischen, eher spröden Eckkneipe und die letzte ihrer Art, die sich im gentrifizierten Stuttgarter Westen hält. Last Pilspub standing!“

2. Betreutes Trinken: Gaststätte Hörz in Heslach

„Die Gaststätte Hörz beherbergt eine eingeschworene Gemeinschaft. Als ich an einem Sonntag dort war, wurde mir erzählt, dass das ganze Haus einer alten Dame gehört, die ein Herz für die Eckkneipe hat, was sich auch in der moderaten Miete für das Lokal niederschlägt. Der Wirt gibt diese Fürsorge weiter: Wer genug getrunken hat, bekommt nichts mehr. Betreutes Trinken in seiner schönsten Form.“

3. Anker an unwirtlichem Platz: Christas Pub in Feuerbach

Christa’s Pub ist eine Institution am unwirtlichen Wilhelm-Geiger-Platz. In einem unschönen Geschäftshaus gelegen ist der u-förmige Holztresen in dem schlauchförmigen Lokal ein Ankerpunkt, der einen davon abhält, mit der nächsten U-Bahn sofort wieder kehrtzumachen. Die gemütliche Eckbank tut ihr Übriges.“

Zum Wilhelm-Geiger-Platz hat Thomas Lang übrigens eine besondere Beziehung, denn dort wohnt der Protagonist seiner humoristischen Bierkrimis. In seinem dritten Fall „Goldbergs heiliges Fass“ muss Minkin das heilige Fass finden, das die Kirche, der Weinpapst und die württembergische Weinmafia zerstören wollen. Blanker Unsinn? Bierernst! Und mit viel Wortwitz erzählt. Ebenso unterhaltsam sind die Lesungen von Thomas Lang, bei denen er meist einen Musiker dabei hat oder ein Bier-Tasting einbindet. Der nächste Termin ist am 28. August in der Lennart Bar, Tübinger Straße 109, um 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

Der Autor

Ernst



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