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Jedem zur Freud, niemand zum Leid

Schwäbisch-alemannisch oder doch eher rheinisch-bunt: In der Faschingszeit ist in Stuttgart vieles geboten. Wir zeigen euch, wo ihr die närrischen Tage am besten feiern könnt.

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Blasmusiker bei einer Karnevalssitzung
Fasching steht vor der Tür.
© 7visuals/Oskar Eyb

Fasching, Fas(t)nacht, Fasnet, Fastelovend oder Karneval – in vielen Regionen Deutschlands sind dieser Tage wieder die Narren los. Die Rituale, Kostümierungen und Gebräuche unterscheiden sich dabei regional. Während sich die Jecken beim Kölner Karneval als Clowns, Piraten, Hexen oder Fantasy-Figuren verkleiden, feiern wir im südlichen Baden-Württemberg insbesondere die „schwäbisch-alemannische Fasnet“ mit den traditionellen Häs – holzgeschnitzten Gesichtsmasken und handgefertigten Narrenkleidern. Doch woher kommen die Bräuche zur sogenannten „fünften Jahreszeit“ ursprünglich und wo wird in Stuttgart gefeiert? Ich verrate es euch.

Hästräger in Stuttgart
Ein Häs besteht aus einer Holzmaske, „Larve“ genannt, und einem handgemachten Narrenkleid.
© LK Photographie

Warum feiern wir überhaupt Fasching?

Das närrische Treiben hat einen religiösen Ursprung: Mit dem Fasching wird die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit gefeiert, die von Aschermittwoch bis Ostern dauert und in der sich die Christen auf das Osterfest vorbereiten. Im Mittelalter war es während der Fastenzeit streng verboten, Fleisch, Fett, Schmalz, Eier oder Milchprodukte zu essen. Tanzen und Singen waren ebenfalls nicht erlaubt, gleichzeitig war sexuelle Enthaltsamkeit auferlegt. Darum feierten die Menschen vor Beginn der Fastenzeit noch einmal ausgelassen und brauchten ihre Vorräte an den in der Fastenzeit verbotenen Lebensmitteln auf.

Am Donnerstag wird’s „schmutzig“

Krapfen zum Fasching
Essen wir in der Faschingszeit gerne: Fasnachtsküchle

Die Faschingszeit beginnt vielerorts am 6. Januar, dem Dreikönigstag – anderswo auch bereits am 11. November, dem Martinstag, an den sich eine ebenfalls vierzigtägige, vorweihnachtliche Fastenzeit anschließt. Höhepunkt der fünften Jahreszeit ist vielerorts der „Schmotzige Donnerstag“ („Schmotz“ = Schmalz/Fett; auch „Schmutziger Donnerstag“ oder „Fetter Donnerstag“ genannt). Dieser hat ebenfalls einen historischen Ursprung: Nach den Richtlinien der katholischen Kirche, was man an welchem Wochentag tun und nicht tun durfte, war der Donnerstag vor Aschermittwoch der letztmögliche Back- und Schlachttag. Noch heute essen wir in der Faschingszeit in Fett ausgebackenes Gebäck, wie Fasnachtsküchle (auch „Krapfen“ oder „Berliner“ genannt).

Wieso heißt es „Fasching“?

Die verschiedenen Begriffe – Fasching, Fas(t)nacht, Fasnet, Fastelovend und Karneval – werden regional unterschiedlich verwendet, gehen aber alle – so die gängigen Theorien – auf das Fasten zurück: Zum Beispiel bedeutet das niederdeutsche Wort „Fastelovend“ so viel wie „Abend vor der Fastenzeit“, ähnlich wie das mittelhochdeutsche Wort „vas(t)naht“, von dem sich „Fas(t)nacht“ ableitet. „Fasching“ hingegen beruht auf den Begriffen „vaschang/vastschanc“, die auf das Ausschenken des Fastentrunks hinweisen. Und „Karneval“ stammt vom mittellateinischen „carne levare“, was so viel bedeutet wie „Fleisch wegnehmen“.

Narri – Narro!

So unterschiedlich wie die Namen und Bräuche, so verschieden sind auch die Narrenrufe. Bekannt sind euch sicher das Mainzer „Helau“ und das Kölner „Alaaf“. Thomas Klingenberg, Präsident der Karnevalgesellschaft Möbelwagen 1897 e. V. – das ist Stuttgarts und Württembergs ältester Karnevalverein – hat mir die Stuttgarter Gepflogenheiten erklärt: „Alle Vereine haben ihren eigenen Narrenruf. Die Karnevalgesellschaft Möbelwagen hat ein ‚A – Ha!‘. Der Ruf funktioniert als Dialog, das heißt, einer ruft ‚A‘ und die Antwort lautet ‚Ha!‘. Ansonsten gibt es einen gemeinsamen Ruf aller Stuttgarter, der lautet ‚Stuttgart – Helau!‘.“ Bei den Umzügen des Kübelesmarkt Bad Cannstatt e. V. rufen die Maskenträger „Narri“ und das Publikum antwortet mit „Narro“.

Thomas Klingenberg, Präsident der Karnevalgesellschaft Möbelwagen 1897 e. V., bei einer Sitzung
Thomas Klingenberg, Präsident der Gesellschaft Möbelwagen, kennt sich im Stuttgarter Fasching aus.
© Alexander Ehgartner

Ab dieser Woche sind in Stuttgart die Narren los. Ich habe für euch einige Events ausgesucht, bei denen ihr die Faschingszeit ausgelassen feiern könnt.

Donnerstag, 13. Februar:

Die Karnevalgesellschaft Möbelwagen 1897 e. V. lädt zum Faschingsopening ins Classic Rock Café ein. Hier feiert ihr mit dem Stuttgarter Stadtprinzenpaar Prinz Harun I. und Prinzessin Lena I., dem Party-Graf, Katja Boccia – ehemalige Stadtprinzessin – und Schmittinger den Start der letzten beiden Wochen der Faschingssaison. Beginn ist um 19:11 Uhr, für vereinsgebundene Hästräger ist der Eintritt frei. 

Samstag, 15. Februar:

Für Exil-Rheinländer in Stuttgart veranstalten Die Rheingeschmeckten e. V. den südlichsten Kölner Karneval des Landes. Der Online-Vorverkauf ist bereits beendet – Restkarten gibt es noch an der Abendkasse. Los geht es ebenfalls um 19:11 Uhr.

Mittwoch, 19. Februar:

Die „Faschingsfete bei Rü“ steigt ab 18:00 Uhr im Vereinsheim des SV Hoffeld. Mit dabei sind das Stuttgarter Stadtprinzenpaar, ein SWR1 DJ, die Heuler-Hexen aus Sielmingen, der Party-Graf, Katja Boccia und die Partyspielagenten.

Donnerstag, 20. Februar (Schmotziger):

In Bad Cannstatt, einer Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet, wird vor allem die traditionelle Straßenfasnacht gefeiert. Welche Figuren die Hästräger des Kübelesmarkt Bad Cannstatt e. V. verkörpern, lest ihr hier. Der Schmotzige Donnerstag ist der Höhepunkt der Bad Cannstatter Straßenfasnacht. Er wird ab 10:00 Uhr mit einem Närrischen Wochenmarkt eingeläutet. Um 18:00 Uhr stürmen die Narren traditionell das Rathaus und stellen im Anschluss den Narrenbaum am alten Rathaus auf. Um 19:30 Uhr startet das beliebte Kübelesrennen auf dem Marktplatz: Mit einem dreirädrigen Holzkübele stürzen sich die Mannschaften, darunter auch prominente Teilnehmer aus Politik und Sport, in einen waghalsigen Hindernisparcours. Nach dem Spektakel wird auf dem Marktplatz und in zahlreichen Gaststätten rundherum gefeiert.

Samstag, 22. Februar:

Die Gesellschaft Möbelwagen lädt zur großen Karnevals-Show, einer „etwas anderen Prunksitzung“, ins SSB Veranstaltungszentrum am Waldaupark ein. Beginn ist um 19:11 Uhr. Mit dabei sind unter anderem das Stuttgarter Stadtprinzenpaar, Kabarettistin und Travestie-Künstlerin Frl. Wommy Wonder als Elfriede Schäufele, der Party-Graf, die 1. Ditzinger Guggenmusik Los Titzos und die Filstaler Speckbuaba.

Frl. Wommy Wonder als Elfriede Schäufele bei der Karnevals-Show der Karnevalgesellschaft Möbelwagen
Auch dieses Jahr bei der Karnevals-Show dabei: Frl. Wommy Wonder als Elfriede Schäufele.
© 7visuals/Oskar Eyb

Außerdem steigt am selben Tag die beliebte MTV Faschings-Party im Wizemann in Stuttgart. Hier sorgen ab 20:02 Uhr DJ Bopser und DJ DMF für ausgelassene Stimmung – und die Biere aus der Familienbrauerei Dinkelacker für die nötige Erfrischung.

Montag, 24. Februar (Rosenmontag)

Am Rosenmontag dreht sich zunächst alles um die Jüngsten: Um 14 Uhr beginnt der Kinderfasching im Stuttgarter Rathaus. Am Abend versammeln sich acht Guggenbands aus Baden-Württemberg zum Großen Guggen-Monster-Konzert ab 18:00 Uhr auf dem Marktplatz. Im Anschluss steigt die Guggen-Party im Classic Rock Café.

Dienstag, 25. Februar (Faschingsdienstag):

Am Faschingsdienstag ziehen die Stuttgarter Närrinnen und Narren zusammen mit zahlreichen Guggenmusikern, Hästrägern, Karnevalsvereinen und Garden aus nah und fern sowie dem Stadtprinzenpaar von unserer Brauerei in der Tübinger Straße über die Eberhardstraße und den Schillerplatz bis zum Karlsplatz. Dort mündet der Umzug in eine Party unter freiem Himmel mit Hitradio Antenne 1 und natürlich unseren Bieren. „Das Besondere in Stuttgart ist, dass Fasnet und Karneval zusammen gefeiert werden, also dass sich die schwäbisch-alemannische Fasnet mit dem bunten Karneval vereint. Beim Umzug treffen Hexengruppen auf Fasnachtszünfte und Karnevalsvereine mit Garden und Musik. Es werden rund 50 Gruppen aus ganz Baden-Württemberg zusammenkommen“, erzählt Thomas Klingenberg von der Gesellschaft Möbelwagen, die den Umzug veranstaltet.

Am Aschermittwoch ist dann bekanntlich erst einmal alles vorbei – bis es im nächsten Jahr wieder heißt „Narri, Narro!“ Jetzt wünschen wir euch aber zunächst einmal viel Spaß beim Feiern des Fasching 2020!

Wie feiert ihr?

Zieht ihr „bunt“ als Clown oder Pirat los oder eher schwäbisch-alemannisch und seid vielleicht sogar Hästräger? Hinterlasst einen Kommentar, wie ihr Fasching feiert – und verratet uns eure Geheimtipps, wo es sich am besten feiern lässt!

Der Autor

Carl



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