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Ein Prosit auf den Dialekt

Sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten und kulturelle Vielfalt: Mundartforscher Dr. Wolfgang Wulz verrät, was das Schwäbische ausmacht.

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Dr. Wolfgang Wulz ist Hauptorganisator des mund.art Stammtisches in Carls Braukeller.
Historiker, Germanist, Lehrer, Autor und Mundartforscher: Dr. Wolfgang Wulz

Sprichst du oder schwäddsch du? Wir bei Schwaben Bräu finden: am besten beides! Und wir sind nicht die einzigen, die Hochdeutsch und fließend Schwäbisch können. Besonders gut darin ist Dr. Wolfgang Wulz. Er ist Historiker, Germanist, Lehrer, Autor und Mundartforscher. Im Gespräch hat er mir verraten, was unseren Dialekt ausmacht und warum wir Veranstaltungen wie den mund.art Stammtisch in der Brauereigaststätte Dinkelacker brauchen.

Robert: Herr Wulz, was ist Ihr liebstes schwäbisches Wort?

Wulz: Amenaschlubferle (für Geliebte, Bettgenossin)

Robert: Was zeichnet den schwäbischen Dialekt aus?

Wulz: Im Dialekt zeigt sich eine großartige Vielfalt sprachlicher Ausdrucksmöglichkeiten, die man so in der Standardsprache Deutsch nicht findet. Für dieselben Gegenstände gibt es viele Begriffe, etwa bei den Kartoffeln, die im Dialekt Grombire, Erdäpfel, Ebiire, Aibiire, Herdäpfel heißen. In den drei Mundarten Baden-Württembergs (Schwäbisch, Alemannisch und Fränkisch) gibt es insgesamt 14 Wörter dafür.

Das Schwäbisch-Lexikon von Schwaben Bräu heißt Dictionärle.
Schwäbisch-Lektion im Juni: das Gräbele. Mehr Mundart gibt es im Dictionärle. Quelle: Familienbrauerei Dinkelacker

Robert: Sie schreiben Bücher zum Thema, sind Vorsitzender des Vereins schwäbische mund.art e.V. und bringen Schülern das Schwäbische näher. Warum brauchen wir den Dialekt?

Wulz: Das wäre so, als würde man fragen: Wozu brauchen wir unsere Muttersprache? Die Muttersprache besitzt man, die Säuglinge hören sie schon an der Mutterbrust zum ersten Mal, wenn die Mütter Doggele, Schatzele, Liebling, Darling oder Mon Bijou flüstern. Unser Anliegen ist es, die Muttersprache unserer Heimat, des Schwabenlands, als wertvolles Kulturgut und Spracherbe zu bewahren, indem wir die schwäbischen Muttersprachler*innen ermutigen, ihre Sprache auch in Zeiten der Globalisierung und großer Migrationsbewegungen mutig und selbstbewusst zu sprechen. Und auch die „Reigschmeckten“ erkennen sofort den kulturellen Gewinn, den der Dialekt bietet (siehe oben), denn dasselbe gilt ja für ihre eigene Sprachkultur und Vielfalt.

Claudia Pohel ist eine schwäbische Künstlerin vom Bodensee.
Claudia Pohel zu Gast beim mund.art Stammtisch in der Dinkelacker Brauereigaststätte. Sie präsentierte Texte und Kompositionen aus eigener Feder, so skurril und vielseitig wie das Leben selbst – passend zu ihren ureigenen Lebensgeschichten.

Robert: Sie organisieren für den Verein schwäbische mund.art unter anderem einen Stammtisch in Carls Braukeller in der Dinkelacker Brauereigaststätte. Können Sie die Veranstaltungsreihe für unsere Leser kurz beschreiben?

Wulz: Unser Verein organisiert mit engagierten Mitgliedern in insgesamt 20 Gaststätten im ganzen Land „mund.art Stammtische“. Unser Flaggschiff ist der Stuttgarter Stammtisch in der Dinkelacker Brauereigaststätte mit jährlich sechs Veranstaltungen. Der Ablauf ist immer gleich: Der Veranstalter begrüßt, danach tritt ein Stargast auf mit seinem schwäbischen Kurzprogramm aus den Sparten Dichtung, Liedermacherei oder Kabarett. Später ist die Bühne offen für Beiträge aus dem Publikum. Und zum Schluss werden je nach Laune noch ein paar schwäbische Lieder gesungen, manchmal auch zum Ausklang das Württemberger Lied „Der reichste Fürst“, das mit dem Vers „Preisend mit viel schönen Reden…“ anfängt.

Die Schwäbische Alb wurde früher auch schwäbischer Jura oder Schwabenalb genannt.
Markenzeichen für das Schwabenland: die Schwäbische Alb.

Robert: Sprache generell verändert sich stetig. Was bedeutet das für das Schwäbische?

Wulz: Dem Schwäbischen geht es dabei wie jeder Sprache, sie wandelt sich mit der Zeit. Man schaue sich nur mal die erste Auflage des Dudens an und vergleiche sie mit der neuesten Fassung. Dann erkennt man schnell, wie rasch der Wandel vor sich geht. Mit der veränderten Lebens- und Arbeitswelt verschwinden auch viele Begriffe. Das bedauern die Alten, die noch wissen, dass ein „Grätte“ ein geflochtener Weidenkorb ist. Aber wer von unseren Kindern und Enkeln bekommt noch einen solchen Gegenstand zu Gesicht? Das ist schade, aber nicht wirklich aufzuhalten.

Robert: Wird der Dialekt langfristig überleben?

Wulz: Im ländlichen Raum, etwa auf der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben, wird er noch länger in seinen herkömmlichen Formen lebendig bleiben. In den städtischen Ballungsräumen bleibt allenfalls ein abgeschliffenes „Honoratioren-Schwäbisch“ übrig, das manche Sprachbewahrer auch spöttisch „Schorle-Schwäbisch“ nennen.

Robert: Danke für das Gespräch. Verraten Sie mir zum Schluss noch den schönsten schwäbischen Trinkspruch?

Wulz: Rutscht em Auguscht dei Onderhos, war scho em Mai des Gummi los!
Aber zu Schwaben Bräu passt noch viel besser:
Am achda Dag
hot dr Herrgott des Bier erschaffa
ond seither hört mr nix meh von ehm.

Weitere schwäbische Ausdrücke und Sprichwörter gibt‘s übrigens in unserem Schwäbisch-Lexikon, welches sich über weitere Mundartbeiträge freut. Viel Spaß beim Stöbern!

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