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Auf Entdeckungstour bei der Hopfenernte

Hopfen gehört zu Bier wie Wasser und Malz. Aber warum ist er für die Bierherstellung nötig und was macht Tettnanger Hopfen so besonders? Ein Tag bei der Ernte am Bodensee.

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Die Brüder Elias und Gabriel mit ihrem Vater Bernhard Bentele im Hopfen.
Familie Bentele baut in Tettnang am Bodensee Hopfen an.
© Schoenhaesslich

Wie viele Liter eines Getränkes trinkst du, bis du dessen Inhaltsstoffe hinterfragst? In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung eine große Rolle spielen, achten viele Konsumenten darauf, woher ihre Lebensmittel kommen – und das ist auch gut so.

Wir, Pierre und Johannes von Schoenhaesslich, wollen nicht nur wissen, welche Inhaltsstoffe die Biere der Familienbrauerei Dinkelacker so beinhalten, sondern auch mehr über die Hopfenproduktion erfahren. Was ist Hopfen eigentlich und warum brauchen wir Hopfen für die Bierherstellung?

Johannes und Pierre bloggen auf Schoenhaesslich.de.
Wollen es genau wissen: unsere Gastautoren Johannes (li.) und Pierre (re.) von Schoenhaesslich.de.
© Schoenhaesslich

Dinkelacker hat uns deshalb zur Hopfenernte auf den Hof der Familie Bentele mitgenommen, wo wir jede Menge Input zum Thema Hopfen bekommen haben.

Hopfen aus Tettnang

Ein Hopfenfeld der Familie Bentele in Tettnang.
Hopfen soweit das Auge reicht.
© Schoenhaesslich

Unsere Reise führt uns in den Süden Baden-Württembergs, in die Nähe des Bodensees, nach Tettnang. Familie Bentele heißt uns herzlich willkommen und wenige Schritte später stehen wir auch schon mitten in einem riesigen Hopfenfeld.
Tettnanger – so nennen sich nicht nur die Einwohner des Anbaugebietes, sondern auch eine bestimmte Hopfensorte, die hier angebaut wird. Bekannt ist sie für ihre feine Würze und hohe Qualität, aber bevor wir von einzelnen Sorten sprechen, sollten wir die Basics klären.

Was ist Hopfen eigentlich?

Hopfen zählt zur Familie der Hanfgewächse und wenn man zur Erntezeit den Hof der Familie Bentele betritt, riecht man das auch. Es werden ausschließlich weibliche Pflanzen für die Hopfenproduktion verwendet, da nur diese die für die Bierproduktion wichtigen Hopfenzapfen bilden. Eine einzige männliche Pflanze könnte die Hopfenernte zerstören, da die Hopfenzapfen der weiblichen Pflanzen nach einer Bestäubung nicht mehr verwendet werden können. Deshalb wurde bereits vor Jahrhunderten versucht, den männlichen Wildhopfen auszurotten. In der Natur kann er dennoch immer mal wieder vorkommen.

Hopfendolden
Die Hopfenpflanzen bilden Dolden.
© Schoenhaesslich

Geschmack und Haltbarkeit

Pierre von Schoenhaesslich riecht an einer Hopfendolde.
Hopfen hat ein ganz besonderes Aroma.
© Schoenhaesslich

Ohne Hopfen würde dein Bier ziemlich malzig und süß schmecken. Hopfen bringt die Bitterkeit sowie verschiedene Aromen ins Bier und fördert zudem die Schaumbildung.  Hierbei werden häufig auch verschiedene Hopfensorten kombiniert, die dann in der Gär- und manchmal zusätzlich auch noch in der Lagerphase im Brauprozess hinzugegeben werden, um eine Aromenvielfalt im Bier zu erzielen. Das genaue Mischverhältnis der einzelnen Hopfensorten bleibt natürlich ein streng gehütetes Braugeheimnis für die einzelnen Biersorten. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum Hopfen beigemischt wird. Hopfen besitzt antibakterielle Eigenschaften und macht das Bier dadurch haltbarer.

Moderne Maschinen und Manneskraft

Die Hopfenernte ist immer noch ein Knochenjob, jedoch wird inzwischen ein Großteil der ehemaligen Handarbeit von automatisierten Maschinen ausgeführt – dank hoher Investitionen der Familie Bentele in moderne Technik. Somit kann nun auf ihrem Hof Hopfen von hervorragender Qualität produziert werden.
Die härteste Arbeit beginnt im Winter, denn dann bauen die Landwirte die Gerüstanlagen auf. Riesige Pfähle werden im Boden verankert und mit Stahlseiten verbunden. Das ist eine echte Kunst und die Bauern unterstützen sich mit ihrer langjährigen Erfahrung gegenseitig beim Aufbauen der Anlagen.

Im nächsten Schritt werden bestehende Hopfenfelder oberhalb der Wurzel abgeschnitten. Das geschnittene Material kann zur Vermehrung wieder eingepflanzt werden. Hopfen ist eine mehrjährige Pflanze und kann über Jahrzehnte hinweg ertragreich sein. Das Abschneiden der Hopfenstöcke im Erdreich führt dazu, dass die Pflanze verjüngt und von Schaderregern befreit wird.

Damit die Kletterstaude richtig wachsen kann, wird ein Draht oben in die Seile eingespannt und die Triebe daran angeleitet. Die Bauern geben im Frühjahr Acht darauf, dass sich die Pflanze gut daran entlanghangelt, denn diese kann sich bis zu acht Meter nach oben winden.

Wir durften den schönsten Teil des Hopfenanbaus, die Hopfenernte, begleiten. Mit einer speziellen Vorrichtung am Traktor werden die Drähte, an denen die Pflanzen wachsen, auf dem Feld eingeholt und auf den Anhänger abgeworfen, wo sich diese bald türmen.

Zurück auf dem Hopfenhof werden die Hopfenranken mitsamt dem Draht in eine Selektiermaschine eingezogen, welche diesen von Blättern, Zweigen und Stängeln trennt. Die übriggebliebenen Hopfendolden werden dann über ein Förderband in den Dachstuhl der großen Scheune der Familie Bentele transportiert.
Als wir die Treppen der Scheune nach oben gehen, spüren wir bereits die Wärme unserer nächsten Station – der Trocknung. Hier werden die Dolden bei 65 Grad Celcius drei bis vier Stunden gleichmäßig getrocknet bis der Feuchtigkeitsanteil von erst 80 auf 9 bis 10 Prozent gesunken ist. Hiernach werden die getrockneten Dolden nach unten weitergegeben, wo sie dann in Säcke gepresst und diese im Anschluss zugenäht werden.

Qualität und Nachvollziehbarkeit

Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Liebe zur Natur und welcher Präzision bei Familie Bentele ein Schritt in den anderen greift. Aber welche Qualität hier erzielt wird, bemerkt man eigentlich erst ganz am Schluss. Von jedem Erntegang wird eine Stichprobe genommen und in ein unabhängiges Labor zur Untersuchung geschickt. Dort werden Qualität und Inhaltsstoffe gemessen, um den Hopfen objektiv zu bewerten. Dabei sind die Proben so beschriftet, dass genau nachvollziehbar ist, welche Hopfensorte an welchem Tag geerntet und verarbeitet wurde.

Das macht den Tettnanger Hopfen so besonders

Dass in Tettnang etwas besonders ist, merkt man bereits, wenn man den ersten Schritt in ein Tettnanger Hopfenfeld setzt: Der torfige Boden ist fein und dunkelbraun, fast schwarz. Daneben ist das milde Bodensee-Klima ein Markenzeichen der Region und eine Voraussetzung für den hochwertigen Hopfen, der hier produziert wird. Im Winter dient der See als Wärmespeicher und lässt die Temperaturen nicht zu stark nach unten sinken.

Lust auf eine Kostprobe?

Die Familienbrauerei Dinkelacker verwendet ausschließlich regionale und hochwertige Rohstoffe. Daher bezieht sie ihren Hopfen für sämtliche Biere der Marken Dinkelacker, Schwaben Bräu, Sanwald und Wulle auch aus Tettnang am Bodensee. Bei den Bieren der Dinkelacker Brauwerkstatt kannst du zudem genau nachschauen, welche einzelnen Hopfensorten verwendet wurden – in Tettnang wird schließlich nicht nur Tettnanger angebaut!

Eine Partnerschaft seit Jahrzehnten

Wir möchten uns sehr herzlich bei Familie Bentele für die Gastfreundschaft bedanken. Man spürt, dass dies ein Familienbetrieb ist, bei dem seit Generationen alle mit ganzer Kraft zusammen anpacken, um das Beste aus ihrem Land herauszuholen.

Die Brüder Elias und Gabriel mit ihrem Vater Bernhard Bentele vor dem Ergebnis der Hopfenernte.
Bei den Benteles wird generationenübergreifend gearbeitet.
© Schoenhaesslich
Bernhard und Gabriel Bentele auf dem Hopfenfeld
Von einer Generation zur nächsten: Vater Bernhard und Sohn Gabriel Bentele arbeiten als Hopfenbauern.
© Schoenhaesslich

Wie wichtig eine gute Beziehung zwischen Bauer und Brauerei ist, sieht man an diesem Beispiel besonders gut. Schon vor Jahren hat die Familienbrauerei Dinkelacker daher auch schon Bernhard Bentele als „Gesicht hinter dem Hopfen“ für eine regionale Imagekampagne gewinnen können. Nun tritt sein Sohn Gabriel Bentele als Nachfolger in die großen Fußstapfen seines Vaters. Beide Generationen arbeiten heute Hand in Hand auf dem Hopfenhof in Tettnang am Bodensee.

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